Freitag, 20. Oktober 2017

Zu vielseitig, um erfolgreich zu sein?


Als hochsensible Multipassionierte habe ich viele Interessen. Daran ist ja erstmal nichts Schlechtes. Was mir jedoch immer wieder auffällt, ist, dass ich mich wegen dieser Vielfalt nicht richtig konzentrieren kann oder einzelne Talente kontinuierlich vertiefe. Ich hüpfe wie ein Schmetterling von Blüte zu Blüte, weil einfach alle so lecker und schön bunt sind. Ich hätte das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn ich mich auf ein oder zwei Dinge beschränken würde, um diese dann intensiv zu betreiben. Spätestens wenn ich mich nach außen hin präsentieren will oder muss, gerate ich in eine Zwickmühle. Was bin ich denn nun alles? Was macht mich als Person aus? Es geht ein Stück weit um Identität.

Mein Buch muss ich selbst vermarkten. Darin bin ich ja ganz groß. Nicht. Also habe ich rauf und runter gegoogelt, worauf man so achten muss und welche Möglichkeiten es gibt. Meinen Blog versuche ich ebenfalls immer wieder mal zu promoten. Bei der Internetpräsenz gibt es eine goldene Regel: Treten Sie überall gleich auf! Orrr, da gehts ja schon los! Ich bin auf Google+, Twitter, Facebook und Instagram unterwegs. Immerhin bemühe ich mich, überall dasselbe Profilbild zu nutzen und meinen Namen einigermaßen gleich zu halten. Auch meine Farben lila und grün sind auf jedem Account vertreten, soweit das möglich ist. Allerdings bin ich auf Facebook privat ohne Businessseite. Ich habe es versucht, aber ohne Erfolg. Auf Twitter und Google+ ist mir die Verbindung gelungen. Nur Instagram... Da bin ich irgendwie alles und nichts.

Ich möchte mit meinem Blog über Depressionen reden. Und über Hochsensibilität, weil das für mich eng zusammenhängt. Oft juckt es mich in den Fingern, über irgend etwas anderes Tolles zu schreiben, was mich gerade bewegt. Dann würde ich mich aber böse verzetteln und der Blog sein Ziel verfehlen. Klar kann ich hier schreiben, was ich will. Ist ja mein Blog. Aber ich möchte, dass das hier was bringt und der Leser weiß, was er bekommt. Nämlich das, was draufsteht. Das wäre also schonmal geklärt.

Natürlich könnte ich für meinen Blog und mein Buch auf allen Kanälen einen extra Account anlegen. So viele Passwörter kann ich mir aber nicht merken. Und ich käme auch gar nicht hinterher, alle Profile regelmäßig zu bedienen. Ich möchte nicht nur noch am PC sitzen. Das ist nicht gut für mich. Ich bekomme davon Kopf- und Rückenschmerzen. Und schlechte Laune. Also versuche ich, auf den paar Profilen, die ich habe, irgendwie alles unterzukriegen. Denn hauptsächlich mache ich das, weil es mir Spaß macht und mich erfüllt. Aber son bisschen möchte ich halt auch was erreichen. Stichwort Leistung und Erfolg. Da geht innerlich gleich wieder die Panicparty ab. Gehostet vom inneren Richter.

Einerseits bin ich sehr facettenreich und dazu fähig, komplex zu denken. Andererseits überfordert mich Chaos schnell, und ich versuche immer hektisch, Dinge zu ordnen und zu vereinfachen. Der Kontrolle wegen. Dabei verheddere ich mich dann in den tausend Fäden.

Es fällt mir schon mein ganzes Leben lang schwer, "einer Linie zu folgen". Ich habe keinen kontinuierlichen Kleidungsstil. Mal sehe ich aus wie eine Hippiefee, mal wie eine knallharte Rockerbraut. Weil ich beides bin und noch ganz viel dazwischen. Meine Interessen umfassen nicht nur Psychothemen sondern auch Fotografie (was sich gut miteinander verbinden lässt), Spiritualität (da wirds schon schwieriger), Nachhaltigkeit, Umweltschutz... (passt gar nicht), mein Pferd... Im Moment beschäftige ich mich viel mit Kräuterkunde und Räuchern. Also Kräuter und Harze, keine Fische oder so. Es sind auch noch oft so nerdige Themen, die sonst kaum jemanden interessieren. Jedenfalls lässt sich das nun so gar nicht mit dem vereinbaren, was ich hier tue. Wer auf meinem Instagramaccount reinschaut, wird sich wahrscheinlich wundern, weil da alles irgendwie anders ist. #Samhainwitchychallenge? Aha. Fotos vom Wald. Ok. Nix oder kaum etwas über Depression. Hm? Ich möchte mich halt auch mal mit schönen Dingen beschäftigen. Und vor allem nicht immer nur mit denselben weil laaaangweeeiiilig! Trotzdem gibt es den Link zum Buch und den Benutzernamen Daretobemad. Das könnte verwirren. Aber das bin ich halt auch alles.

Würde ich mich professionell beraten lassen zum Thema Vermarktung und businessmäßige Internetpräsenz, bekäme der Berater wahrscheinlich die Krise. Oder einen Lachanfall. Oft denke ich, dass der "Erfolg" ausbleibt, weil ich etwas falsch mache. Zu laienhaft. Andere sind in aller Munde und kriegen Bloggerauszeichnungen. Ich nicht. Ist das wichtig? Naja, es wäre schon ein bisschen schön. Dann fällt mir auf, dass ich mich dafür real mit Menschen treffen müsste. Dadurch gewinnt man nunmal die größte Aufmerksamkeit. Frankfurter Buchmesse, irgendwelche BarCamps, Lesungen... Das wäre mir zu viel. Da krieg ich schon Herzklopfen, wenn ich nur dran denke. Und wieder einmal wird mir bewusst, dass ich sehr wohl krank bin und mir deshalb vieles verwehrt bleibt.

Manchmal verfluche ich meine Interessenvielfalt. Hätte ich mich von Kindheit an auf 1-2 Dinge konzentriert und diese durchgehend verfolgt und verbessert, wäre ich heute meisterhaft darin und könnte damit vielleicht sogar Geld verdienen (Stichwort "Mach doch einfach was anderes"). Aber das wäre mir einfach zu wenig und eintönig. Und Erfolg ist letzten Endes auch nur eine Frage der Definition. Trotzdem fühle ich mich flatterhaft und habe gleichzeitig Angst davor, beschnitten zu werden und mich nicht ganz leben zu dürfen.

Vielleicht ist das auch alles völlig normal. Vielleicht liegt mein einziges Problem darin, Chaos zu ertragen und mich als vollständige, integrierte Persönlichkeit mit Schwerpunkt XY zu präsentieren. Und vielleicht sehen andere das mal wieder ganz anders.

Bild: Pixabay

1 Kommentar:

  1. Toller und ehrlicher Beitrag. Ich habe das Gefühl mich in deinen Gedanken genau wieder zu finden.
    Inzwischen drei Therapeuten haben mir Hochsensibilität attestiert – und ich dachte zuerst immer: wirklich? Das soll der Grund für all meine Gedankenpyramiden, minutenlangen Monologe in meinem Kopf, der Angst vor größeren Gruppen, ständig an mir nagenden Selbstzweifeln, depressive Episoden und absoluter Planlosigkeit, was ich in meinem Leben WIRKLICH machen will, sein? Deshalb mussten es auch drei Psychologen sagen, eh ich es geglaubt habe. :D Aber ja, Hochsensibilität kann den Kopf ganz schön auf den Kopf stellen. Auch ich springe von Hobby zu Hobby, je nachdem was mein momentaner Partner halt macht, möchte nirgends anecken und versuche nebenbei noch die Welt zu retten. Und nichts will wirklich passen. Dann gibt es diese schönen Episoden, wo man etwas Neues entdeckt und glaubt sich diesmal gefunden zu haben. Aber nach ein paar Wochen bis Monaten ist auch dieser Hype garantiert vorbei. Am schlimmsten sind jedoch die Ängste vor Disharmonie und die damit einhergehende extreme Vorsicht gegenüber anderen Menschen, die einen einfach kaum aufblühen lassen, außer bei den 1 bis zwei Menschen, die einen wirklich kennen und bei denen es nichts zu verlieren gibt. Für ganz schlimme Phasen, in der die Depression droht, kann ich dir übrigens Ashwagandha Wurzel empfehlen. Diese Wurzel ist ein natürliches Aphrodisiakum, hebt die Laune und stärkt das Nervenkostüm (du kannst auch mehr darüber auf vitaminexpress.org/ashwagandha-wurzel lesen). Vielleicht überstehst du damit ja auch mal eine Buchmesse. Ich würde dein Buch jedenfalls sehr gern lesen. :)

    LG
    Samy

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